Freitag, 29. Dezember 2017

wandern im grauen Dezembernebel

Die Rauhnächte sind in vollem Gange, Geister treiben angeblich ihr Unwesen in diesen magischen Nächten. Ich selbst kann damit nicht viel anfangen - hier in Hessen haben die Rauhnächte keine große Bedeutung.

Aber die Tage können auch in Hessen im Moment sehr mystisch sein, wie ich bei einem kleinen Spaziergang feststellte. Dafür habe ich noch nicht einmal meine Straße verlassen müssen. Kurz hinter den letzten Häusern, nur wenige Meter von meinem Zuhause entfernt liegt weites Feld vor mir. Als erstes komme ich zu einem meiner Lieblingswege. Er ist kurz aber irgendwas an diesem Weg zieht mich immer wieder magisch an. Meinen Kindern geht es genauso. Entscheidet selbst, ob ich die Mystik eines Dezembertages einfangen konnte.













Die Tropfen funkeln trotzdem. Licht und Glanz im Nebel - wenn man nur genau hinschaut.

Geht trotzdem raus - es lohnt sich.

Samstag, 23. Dezember 2017

Weihnachten

Und nun ist es tatsächlich Weihnachten geworden. Der Baum steht wohl schon in vielen Wohnzimmer, das Festtagsmenu ist gekauft und vorbereitet, die Krippenspiel-Kinder sind aufgeregt wie nur was (ich muss das wissen, ich habe zwei davon hier sitzen plus mich als eine der beiden Verantwortlichen...) und der Advent geht auf seinen Höhepunkt zu: die Ankunft Jesu ist nah, Weihnachten ist nah.

Ein paar Bilder dazu habe ich euch mitgebracht, von Reisen, von kleinen Abenteuern in der Nähe und ganz persönliches. Aber seht und lest selbst. Die Weihnachtsgeschichte - mit persönlichen Bildern.



"Und der Engel kam zu ihr [Maria] hinein und sprach: Sei gegrüßt du Begnadete! Der Herr ist mit dir! [...]
Siehe du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben."

Engelsflügel als Symbol für den Boten Gottes,
der zu Maria kommt und ihr diese Botschaft bringt.
Hier auf einem Krippenweg in Hessen


"Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. [...] Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt. Da machte sich auch auf Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem [...] damit er sich schätzen ließe mit Maria seinem vertrauten Weibe; die war schwanger.

Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge..."


Es muss ein einfacher Stall gewesen sein, vielleicht wie diese Hütte
hier, in Kössen, Tirol auf einem Spielplatz



oder es war eine Hütte wie diese, einfach, aber sie bietet Schutz
vor Wind und Regen und gibt einen Rückzugsort, so auch hier in den
Bergen rund um Schladming bei Nebel.



und im Stall: die heilige Familie
hier wieder auf einem Krippenweg,
Silvester 2014
Ochse und Esel sollen im Stall gewesen sein,
so ist die Vorstellung heute. Auch in Mainz auf dem
Weihnachtsmarkt schauen beide zum Stall raus

Der Esel hat vielleicht sogar schon die schwangere Maria nach
Bethlehem getragen! Dieser hier steht in Agüimes, Gran Canaria
und trägt jeden Tag viele verschiedene Menschen, meist Kinder.




"Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde."

Damals waren die Schafe auf dem Feld mit ihren Hirten.
Hier sind es Deichschafe bei Pilsum - leider ohne Hirten


Ob damals auch ein kleines Schäfchen wie bei der
Krippenszene in Metz, Frankreich dabei war?



"Und der Engel des Herrn trat zu ihnen [den Hirten], und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr [...]

Und alsbald waren da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens."


Engel treffen wir immer mal wieder, z. B. in Form einer Figur am Wegesrand. Und da von Heerscharen die Rede ist, gibt es hier auch eine "Schar" davon:
von Kinderhand getöpfert auf einem Krippenweg entdeckt

eine moderne Skulptur und doch als
Engel zu erkennen. In Luxemburg-Stadt.


ebenfalls auf einem Krippenweg entdeckt,
bei unserem Silvesterritual: Krippenwegwanderung!

von Kinderhand kreiert, in Worms
im Dom entdeckt

Engel auf der Krippe in der Kathedrale
in Metz, Frankreich

Elsass, Walfahrtskirche Dusenbach




ein Schnee-Engel in unserem Garten 😊



"Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Laßt uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen."





"Als Jesus geboren war in Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborene König [...] ?"


Könige haben Kronen - bis auf Jesus, der kam ohne Krone
und ganz klein als Mensch auf diese Welt
Diese Krone hier befindet sich in Luxemburg am Palast des Großherzogs

Die Weisen aus dem Morgenland können auch das
Schild einer Gaststätte sein wie hier in Ribeauvillé im Elsass

Vermutlich waren die Könige mit Kamelen unterwegs, so werden
sie immer dargestellt. Dieses hier ist aus Bronze und ruht sich
in Agüimes, Gran Canaria aus

und die ganze Krippenszene auf einen Blick
in der Kathedrale in Metz, Frankreich

Da war ganz schön was los! Alle sind da: Tiere und Menschen
um den neugeborenen Jesus zu sehen.


unsere Weihnachtskarte in diesem Jahr:
die frohe Botschaft schlicht und einfach,
aber nicht weniger aussagekräftig!

Und das ist - zusammengekürzt - die Geschichte, warum wir jedes Jahr wieder dieses Fest feiern. Und sooft ich auch die Bibel lese und blättere - von Geschenkewahnsinn und Konsumrausch kann ich irgendwie gar nichts entdecken. Da ist nur von "großer Freude" die Rede und von ganz, ganz viel Liebe und Fürsorge.

Deshalb: habt wunderbare Tage im Kreise der Menschen, die euch am wichtigsten sind. Genießt die Zeit zusammen, schnell kann sich das z. B. durch Krankheit (ver)ändern. Gesundheit ist nicht selbstverständlich und ich bin sehr dankbar, dass zumindest jetzt vor Weihnachten alle Hürden genommen sind, die uns dieses Jahr in den Weg gestellt waren und überwunden werden mussten.

Und vielleicht sagt ihr den Menschen, die euch am wichtigsten sind einfach mal wieder, dass und warum sie so wichtig für euch sind? Das wäre doch ein schönes Geschenk zu Weihnachten.



Die Zitate stammen übrigens allesamt aus der Bibel (Luther-Übersetzung), das meiste aus Lukas 1 und 2, die Könige findet ihr in Matthäus 2.

Mittwoch, 20. Dezember 2017

Adventswochenende in Worms

Es gibt Menschen, die warten schon ungeduldig auf genau diesen Bericht, ich weiß. Und deshalb will ich mich nun auch beeilen damit!

Vergangenes Wochenende waren wir in Worms in der Jugendherberge zum Adventswochenende. Die Jugendherbergen in Rheinland-Pfalz und im Saarland bieten an allen Wochenenden im Advent vollgepackte "Adventswochenenden" an. Was genau dieses Programm beinhaltet, erzähle ich weiter unten genauer. (Ich hatte darüber auch schon vor längerer Zeit mal berichtet (→ Klick hier))

Seit einigen Jahren fahren wir immer zusammen mit Freunden in eine der Jugendherbergen mit Adventsprogramm. Dieses Jahr hatten wir uns für Worms entschieden, unter anderem, weil die Jugendherberge mitten in der Stadt und damit nur einen Steinwurf vom Weihnachtsmarkt entfernt ist.

Treppenhaus in der Jugendherberge

Vielleicht lag es an meiner andauernden Erkältung, die mich seit über einer Woche quasi sprachlos macht (ich habe keine Stimme und langsam das Gefühl, an den zurückgehaltenen Worten zu ersticken), vielleicht auch an irgendetwas anderem, das aber keiner von uns genauer benennen könnte. Die Leute waren nett, die Herbergsleitung und Mitarbeiter auch. Das Programm war wie in den anderen Jugendherbergen auch. Und doch hat uns dieses Mal der Funke gefehlt, der es zu einem runden Wochenende gemacht hätte. Das war aber nicht nur ein objektives Empfinden von mir, die anderen (Erwachsenen) haben das ebenso empfunden.


Die Stadt Worms

Die Stadt selbst hat uns nicht gefallen und den Weihnachtsmarkt möchte ich nicht weiter empfehlen. Er erinnerte mich an den in Gießen: langezogen und überall mal eine Bude, doch Flair kommt da nicht auf. Und die Läden in der Fußgängerzone sind auch wie überall: immer die gleichen Marken - kennst du eine Fußgängerzone, kennst du alle. Aber vielleicht sehe auch nur ich das so, weil ich einfach kein "Shopper" bin. Stundenlanges einkaufen und bummeln sind mir ein Gräuel. Und die Häuser sind auch nicht hübsch - da bin ich vom Elsass und von Büdingen (die letzte Stadt, die wir uns angesehen haben) zu verwöhnt, glaube ich.

Egal - kein Weg wird zu weit mit einem Freund an deiner Seite! Und da wir gleich vier Freunde dabei hatten (zwei große und zwei kleine), hatten wir trotzdem eine Menge Spaß. 

Auf dem Weihnachtsmarkt haben wir ein Karussell entdeckt, das schon 135 Jahre alt ist. Der Besitzer hat uns die Geschichte erzählt, wie er an das Karussell gekommen ist. Sein Großvater hat es für 6 Säcke Kartoffeln "gekauft" und seitdem ist es in Familienhand. Und läuft nach wie vor. Es war ein sehr süßes Karussell. Und eine schöne Geschichte.


Und das Beste: die Musik war herrlich leise und
weihnachtlich. Passte perfekt zum schönen Karussell!

Wir haben auch ein wenig Worms bei Nacht entdeckt und einen kleinen Abendspaziergang gemacht. Da es leider geregnet hat, haben wir aber nur eine sehr kleine Runde gedreht.

Und so sieht man den Dom vom Zimmerfenster der Jugendherberge aus!
Ein Turm des Doms

Den Dom haben wir am nächsten Tag auch von innen besichtigt. Die Größe ist beeindruckend, von innen ist er jedoch eher schlicht. Aber schön still und zum Kraft tanken.





von Kindern der Gemeinde gestaltete Engel
sind im Dom ausgestellt

Bei einem kleinen Spaziergang ohne unsere Kinder (die chillten lieber im Zimmer) haben wir noch einige schräge Vögel entdeckt:





In Worms befindet sich ein sehr großes Lutherdenkmal. Luther war hier vor den Reichstag zitiert worden um seine Thesen zu widerrufen, was er jedoch nicht tat. Daraufhin wurde er für vogelfrei erklärt. Das Denkmal erinnert an dieses Ereignis.

Luther vorm Reichstag


In der ganzen Stadt verstreut findet man große, bunte Drachen. Sie gehören zur Nibelungensage, die auch in Worms ihre Heimat hat. Ihr kennt bestimmt die Sage von Siegfried, der den Drachen tötete und in seinem Blut badete um unverwundbar zu sein. Dazu weiter unten mehr.

Überall verstreut trifft man auf Drachen
Ob der Roller im Hintergrund dem Drachen gehört? Die
gleiche Farbe hat er jedenfalls...


Das Programm

Das Adventsprogramm beginnt freitags, meist so gegen 16 Uhr und endet mit einem Brunch am Sonntag so um 11 Uhr.

Das Programm beinhaltet als Basis: basteln, backen, ein gemeinsamer Spaziergang, Lagerfeuer mit Stockbrot, Punsch und Glühwein, sowie Vollpension und zwei Übernachtungen.

Wie das im einzelnen abläuft, kommt auf die Jugendherberge an. Wenn euch das näher interessiert, klickt euch auf der Site der Jugendherberge in die einzelnen Adventsprogramme. Letztes Jahr z. B. waren wir in Cochem und hatten eine Burgführung inklusive. Und in Mainz haben wir außerdem Lebkuchenhäuschen gebaut. Hier in Worms gab es am Lagerfeuer zusätzlich Lieder mit Gitarrenbegleitung und Geschichten, z.B. die Nibelungensage in Kurzform.

Samstag Morgen haben wir gebastelt, mittags gebacken und sind dann zum Weihnachtsmarkt.

viele fleißige Hände basteln einen Nikolausstiefel

und abends Lagerfeuergeschichten und Stockbrot

Die Betten müssen jedoch noch selbst bezogen
werden, so wie es früher auch schon war.


Nibelungenmuseum


Am Sonntag nach dem Brunch haben wir noch das Nibelungenmuseum besucht. Von der Jugendherberge aus ist es fußläufig in etwa 5 Minuten (auch mit Kindern) zu erreichen.

Das Nibelungenlied wurde um 1200 verfasst und ist die bedeutendste deutsche Heldensage des Mittelalters. Wir haben das Nibelungenlied in Buchform gesehen - das ist unfassbar dick. Seit 2009 gehört es zum Weltdokumentenerbe der UNESCO. Es erzählt unter anderem die Heldentaten von Siegfried, dem Drachentöter (wie oben erwähnt) und seiner Kriemhild.

im Wehrgang zwischen den beiden Türmen gibt es
Geräusche aus verschiedenen Jahrhunderten zu hören



Das Museum ist in einem Teil der Stadtmauer aus der Stauferzeit beheimatet. Anders als in anderen Museen gibt es keine Exponate im eigentlichen Sinne. Der Hauptbestandteil dieses Museums ist der Audioguide, der durch die beiden Türme, den Sehturm und den Hörturm leitet. Schön gemacht ist sowohl der Text für die Erwachsenen als auch der für die Kinder, denn die Fakten und die Nibelungenerzählung werden nicht einfach nur heruntergeleiert, sondern wie ein Hörbuch spannend erzählt. Ich habe in die Erwachsenenfassung jedoch nur reingehört und sonst wie der Rest meiner Familie die Kinderversion gehört, die wirklich spannend gemacht ist und gut zu verfolgen. Durch meine Erkältung hatte ich aber ehrlich gesagt im Hörturm keine Kraft und Geduld mehr, mir alle 29 Stationen anzuhören. Denn das ist - trotz Kinderversion - ganz schön viel Input gewesen. Der Rest meiner Familie hat sich aber munter von Station zu Station "gearbeitet" und alles angehört. Es sei sehr interessant gewesen, haben sie mir hinterher erzählt.

Im Sehturm wird das Nibelungenlied erzählt. Natürlich in Kurzfassung und so strukturiert, dass man gerne zuhört. Auch durch die unterschiedlichen Stimmen, die man hört, ist es gut nachvollziehbar. Aber blutrünstig ist die Geschichte!! 
Unsere Kids (11 und 7) fanden es toll. Wir haben ca. 2 Stunden gebraucht um alles anzuhören. Weitere Infos findet ihr auf deren Homepage.

Was habt ihr am dritten Adventswochenende gemacht?