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Sonntag, 24. April 2016

Ostern in Holland

Zwei Jahre haben wir es ohne ausgehalten – jetzt musste eine Reise nach Holland einfach wieder sein. Die wunderschönen Häuser mit ihren tollen Giebeln bestaunen, die hübschen Gassen, die vielen Fahrräder, Käse essen (oder frischen Fisch), dazu noch Meer und Möwen. Ja, das ist schon ein Land nach unserem Geschmack!

Die letzten Male sind wir in den Herbstferien nach Holland gefahren, diesmal haben wir die Osterferien ausprobiert. Vom Wetter her ist es sehr ähnlich gewesen, mal Regen, viel Sonne und frischer, kühler Nordseewind – nichts unerwartetes für uns. Wir sind ausgerüstet mit Regenkleidung und warmen Jacken, das Häuschen hat eine sehr gute Heizung – so schnell kann uns also nichts passieren.

Geliebtes Meer - hier in Egmond aan Zee


Vorher habe ich schon ein bisschen geschaut, was wir wohl unternehmen könnten. Wir wollten gerne noch ein paar neue Dinge sehen, die wir noch nicht kennen. Und auch ein paar Dinge wiedersehen. Nach zwei Jahren haben wir uns richtig darauf gefreut, den Leuchtturm in Egmond aan Zee, den Ferienpark mit unserem geliebten Ferienhäuschen, Grachten und das Meer wiederzusehen.

An Karfreitag ging es los, wir waren also wie die letzten Jahre auch über Ostern unterwegs. Dieses Jahr war Ostern sehr früh, deshalb gab es leider noch keine Tulpenfelder zu sehen, wie ich eigentlich gehofft hatte. Ein paar wenige Felder mit Osterglocken, Hyazinthen und Krokussen haben wir entdeckt. Die sahen auch sehr schön aus, ließen sich aber leider nicht wirklich fotografieren.

Alkmaar haben wir schon oft besucht und ich muss gestehen, dass ich vor Urlaubsantritt noch gesagt habe, dass ich nicht unbedingt nach Alkmaar fahren muss. Im Endeffekt waren wir viermal in Alkmaar, eine Grachtenfahrt inklusive. Die letzten Male gab es keine Grachtenfahrten, da im Oktober der Betrieb aufgrund der Witterung bereits eingestellt wurde. Und in Amsterdam, meiner absoluten Lieblingsstadt, ist mir (als ausgewachsenes Sparbrötchen) eine Grachtenfahrt zu teuer. Diesmal jedoch haben wir spontan zugegriffen. Wir sind nur durch Alkmaar geschlendert, haben ein bisschen in den Geschäften geschaut und die Fassaden bestaunt. Da kamen wir an der Anlegestelle vorbei und schwupps, saßen wir auch schon im Boot. 

Häuserzeile an der Singelgracht in Alkmaar

Es hat großen Spaß gemacht, denn vor jeder Brücke (und auch in Alkmaar gibt es im Grachtensystem reichlich davon) mussten wir mindestens die Köpfe einziehen. Bei sehr vielen haben wir uns sogar flach auf die Sitzbänke legen müssen, so dicht über uns war der Brückenbogen. 

"Bitte achten Sie auf Ihre Köpfe!"

Die niedrigste Brücke Alkmaars mit 80 cm über dem Wasserspiegel haben wir jedoch leider auslassen müssen, denn die Herrschaften, die ganz vorne im Boot saßen, haben weder auf holländisch, englisch oder deutsch verstanden, dass sie sich ganz flach jeder auf eine eigene Bank legen müssen – so haben wir leider nicht durch gepasst. 


Das bin ich - bei der Durchfahrt unter einer der Brücken...


Eine knappe Stunde sind wir rund um Alkmaar geschippert, durch die Singelgracht, vorbei an der Molen van Piet, der Mühle in Alkmaar.


 
Molen van Piet

Die „Große Mühle“, wie sie auch genannt wird, wurde 1769 erbaut. 1884 wurde sie von Cornelis Piet gekauft, seither heißt sie „Molen van Piet“, die Mühle von Piet. Interessant ist, dass die Königswelle, die die 3 Mahlgänge antreibt, ein alter Schiffsmast ist – und somit sogar noch älter als die Mühle selbst. Bis 1993 hat sie noch Mehl gemahlen. Seitdem liegt sie in einer verkehrsberuhigten Zone in der Mehl- und Getreidefuhren nicht mehr erlaubt sind. Besichtigen kann man sie nicht, sie ist im Privatbesitz und sogar bewohnt. 

 
Wunderschöne Grachten


Freitags findet in Alkmaar von etwa Ende März/Anfang April bis Ende September der Käsemarkt statt. Bei unseren vorherigen Besuchen in dieser Gegend waren wir dementsprechend immer zu spät für den Käsemarkt. Umso größer war unsere Überraschung, als wir gesehen haben, dass dieses Jahr der erste Käsemarkt bereits an unserem Anreisetag abgehalten wurde. Bedeutete aber auch, dass er an unserem Abreisetag ebenfalls stattfinden würde. Das war unsere Chance! Klar wird der Markt heute nur noch für die Touristen abgehalten und klar würde dann auch alles voller Touristen sein – aber manchmal macht Tourist sein ja auch Spaß. 

Und "Hepp!", mit Kommando läuft es sich gleich besser los

Als der Käsemarkt das erste Mal abgehalten wurde, gab es noch keine Touristen in dem Sinne. Wann genau der erste Käsemarkt stattfand, ist unklar. Aus alten Dokumenten geht jedoch hervor, dass im Jahre 1622 ein Käsemarkt stattgefunden hat. Man hat aber auch herausfinden können, dass 1593 die Käseträger-Gilde gegründet wurde, was darauf schließen lässt, dass es auch damals schon einen Käsemarkt gegeben haben muss.


Die Käseträger-Gilde besteht aus vier Körperschaften, den so genannten ‘Vemen’. Jede Körperschaft hat eine eigene Farbe (rot, grün, blau und gelb) und besteht aus 6 Käseträgern sowie einem sogenannten „Taschenmann“ (bei dem man früher den Käse bezahlt hat). Die Farben sind jeweils am Hut oder der Schleife der Käseträger und an der Farbe der Tragbahre zu erkennen.
 
die Käseträger machen eine kleine Pause

Der Käsevater, den die Käseträger „Paps“ nennen, ist das Oberhaupt der vier Körperschaften. Er trägt einen orangefarbenen Hut. Außerdem gibt es die Käsesetzer, die ab 7 Uhr morgens den Käse in langen Reihen auf den Marktplatz setzen und auch die Tragbahren beladen.


Das wollten wir mit eigenen Augen sehen. Und so sind wir am Abreisetag noch in Alkmaar stehen geblieben und zum Marktplatz gelaufen. Was für ein Spektakel! Wie erwartet war alles voller Leute. Für den Käsemarkt wird der Marktplatz rundum mit Gittern abgesperrt, an denen sich die Schaulustigen drängeln. Wir haben einen Platz ganz vorne ergattern können, so konnten auch die Kids gut sehen, was die Käseträger machen. Jede voll beladene Tragbahre wiegt gute 130 kg, getragen von zwei Käseträgern. Sie wetzen in einem ziemlich lustigen Laufschritt immer hin und her über den Platz, bis zur Waage (logischerweise im Waagenhaus, in dem auch ein wunderbares und sehenswertes Käsemuseum untergebracht ist) und wieder zurück zu den Käufern. 

Die Käsesetzer bei der Arbeit, eine Tragbahre wird beladen

Wir hatten uns einen besonderen Tag ausgesucht, denn just an diesem Tag hat der Keukenhof, der berühmt ist für seine wunderbaren Tulpen und Blumenausstellungen, 25.000 Tulpen gespendet und der ganze Marktplatz war neben den Käselaiben ein einziges Blumenmeer. An die Kinder wurden diese Tulpen – mit Zwiebeln!! - verschenkt. Und so kam es, dass ich die ganze Heimfahrt über 15 Tulpen mit Zwiebeln in einer hastig aus dem Kofferraum gezerrten Mülltüte, die wir notdürftig mit etwas Mineralwasser gefüllt haben, zwischen meinen Füßen stehen hatte. Sie haben es alle überlebt und bis Anfang dieser Woche ganz wunderbar in unserem Garten geblüht.

Käse und Tulpen - was für ein schönes Bild




Was wir noch erlebt haben, werde ich in einem eigenen Beitrag posten, das sprengt diesen Beitrag hier. Deshalb sage ich: Bis bald!! Eure Nina 



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