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Samstag, 18. Februar 2017

Astrid Lindgrens Welt

Astrid Lindgrens Welt

Die Geschichte hinter dem Park


Drei Familien hatten 1981 die Idee, eine Art „Märchenpark“ in Vimmerby zu bauen – einen Ort, an dem die in Astrid Lindgrens Büchern beschriebenen Orte erlebbar und greifbar zu machen. Sie starteten im Maßstab 1:3 mit Katthult – dem Haus von Michel. Nach und nach kamen weitere Häuser dazu. 1989 war der Park bereits zu groß, um von den drei Familien geführt zu werden. Die Anlage wurde an einen großen Konzern verkauft. Dadurch ergab sich die Möglichkeit, noch mehr und vor allem auch viel größere Schauplätze zu bauen. Der erste Schauplatz (das Heckenrosental der Brüder Löwenherz) in Originalgröße wurde 1990 fertig gestellt. Im Jahr danach folgte die Krachmacherstraße, denn die Lotta-Filme sollten 1991 und 1992 dort gedreht werden – was auch tatsächlich wie geplant stattfand.
Und so wurde der Park nach und nach ausgebaut, erfreute sich immer größerer Beliebtheit und kann an manchen Tagen den Besucherandrang kam bewältigen – räumlich gesehen. 





Pippis Hoppe Tosse - kann sogar richtig fahren!

Der Park heute

Wir sind bekennende Lindgren-Fans, keine Frage. Wir haben trotzdem kurz überlegt, ob wir in den Park gehen sollen. Der Eintrittspreis schreckte uns ab. Umgerechnet 150 Euro für einen Tag (von 10-18 Uhr ist der Park in der Hauptsaison geöffnet) fanden wir schon recht viel. Außerdem 5 Euro für den Parkplatz – und gegessen hatten wir dann ja auch noch nichts. Aber – und es ist ein dickes ABER! - wir sind vermutlich nur dieses eine Mal in Schweden. Es gibt zu viel auf der Welt, was wir noch sehen wollen. Wer weiß schon, was noch kommt? Die Kinder werden schnell größer, sodass der Park auch nur eine gewisse Zeit lang attraktiv ist. Also – hey! Rein mit uns! Klar wollten wir für das Geld auch möglichst lange im Park sein und reihten uns um 9.45 Uhr in die lange Schlange der wartenden Autos ein. Wider Erwarten waren wir schon 25 Minuten später im Park. Die Mitarbeiter dort sind extrem gut organisiert, die Maschinerie „Vergnügungspark“ läuft perfekt. Und das meine ich nicht negativ. 


Karlssons Haus. Oben auf dem Dach, wo sein Haus ist, sind Rutschen eingebaut
Madita "Sommertag mit Läusen"



Der Unterschied zu einem „herkömmlichen“ Vergnügungspark und Astrid Lindgrens Welt besteht darin, dass es dort keine Fahrgeschäfte gibt. Die Kinder sollen dort das machen, was Kinder tun sollen: spielen.
Es gibt unendlich vielen Spielplätze, Klettermöglichkeiten, Verstecke etc. Besonders beeindruckend fand ich irgendwie die riesengroße Fläche, auf der unzählige Wipp-Pferde standen. Einfach „nur“ Wipp-Pferde. Ohne Hightech, ohne Geräusche, Blinklichter oder sonstigen modernen Schnickschnack, ohne den man ja manchmal glaubt, nicht auskommen zu können.
Direkt nebenan Pippi Langstrumpfs „Nicht-den-Boden-berühren“-Parcours, ganz verwunschen über einen Bach, über Steine, Äste, Balken. 



Lottas Fahrrad!


Und von was der Park selbstverständlich lebt, sind die Vorstellungen. Schauspieler führen kleine Stücke aus Astrid Lindgrens Büchern auf. Die Stücke dauern zwischen 15 und 25 Minuten. Es gibt jedes Jahr neue Aufführungen mit den bekanntesten Figuren. Beachten muss man, das die Stücke grundsätzlich nur auf schwedisch aufgeführt werden. Wer allerdings die Bücher (oder Filme) kennt, der kann völlig problemlos die Handlung verfolgen. Wir können alle kein schwedisch und kamen prima zurecht. Wir haben sehr viele der angebotenen Vorstellungen mitgenommen, wenn es manchmal auch nicht einfach war, einen Platz zu bekommen. 


Pippi veräppelt die Polizisten...

... und macht sie nass!


Ronja Räubertochter ist die Heldin meiner Kindheit. Was wäre ich gerne gewesen wie sie! Und so hatte ich mich am meisten auf die Vorstellung in der Mattisburg gefreut. Es stellte sich jedoch heraus, dass es für die Menschenmassen einfach zu wenig Plätze gab. Wir haben von ganz weit außen, wo schon gar keine offiziellen Plätze mehr waren, halb im Gebüsch stehend die Aufführung verfolgt. Schade. Das hat mich wirklich geärgert. Ich hatte mich so darauf gefreut!

Ronjas Burg aus dem Gebüsch heraus

Versöhnt wurde ich erst ganz am Schluss, als ich mit meiner Großen in die Vorstellung der Brüder Löwenherz gegangen bin. Wir waren 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn dort – und haben einen der letzten Sitzplätze erhascht. Die Vorstellung wurde empfohlen für Kinder ab 9 Jahren, da Kampfszenen gezeigt wurden, die für jüngere Kinder eher nicht geeignet sind. Wir haben uns auch daran gehalten. Unsere Jüngere ist sehr empfindsam und so fanden wir, dass wir der Empfehlung besser folgen sollten. Sie kam nicht zu kurz – hat sich in der Zeit mit dem Papa „Karlsson vom Dach“ angeschaut.

Karlsson vom Dach


Die Brüder Löwenherz jedoch rührten mich zu Tränen – und das obwohl ich kein Wort verstanden habe! Das war völlig belanglos. Wir haben mitgefiebert, mitgelitten und waren zu Tode betrübt, als Jonathan am Schluss verwundet zusammenbrach. Es brach uns das Herz, den kleinen Karl über das Unglück seines geliebten Bruders so verzweifelt zu sehen. Eine wirklich packende Vorstellung!


der gefährliche Drache Katla

Jonathan Löwenherz (li) wurde getroffen -
sein Bruder Karl leidet. Und wir mit ihnen!
 

Fazit des Tages

Alles in allem war es – für mich - ein sehr gemischter Tag. Ich persönlich habe mich durch die unfassbaren Menschenmassen öfter unwohl gefühlt. Das hatte manchmal echt was bedrängendes. Allein nur einen Platz für unser Mittagspicknick zu finden war nicht so einfach. Alle Plätze und Bänke waren belegt. Die Picknickdecke hatten wir im Auto gelassen, schließlich mussten wir unser Gepäck den ganzen Tag durch den Park schleppen. Nach längerer Suche haben wir in Bullerbü (im nachgebauten) eine freie Bank gefunden. Die Kinder jedoch hatten solch großen Spaß und schwärmen immer noch davon. Sie waren total begeistert von diesem Tag, von den vielen Vorstellungen, vom eintauchen in Astrids wunderbare Phantasiewelt. Die Vorstellungen haben uns Erwachsenen auch gefallen. Verrückt, wenn man nix versteht und es auch noch toll findet!  Es war ein langer, prall mit neuen Erinnerungen gefüllter Tag, der für mich persönlich auch noch richtig blöd endete. Aber dazu erfahrt ihr in Kürze mehr. 


 
kleine Bullerbü-Häuser



Infos zum Park

Der Park ist über die Wintermonate geschlossen. Die Nebensaison startet im Mai und geht bis Juni. Bis August ist dann Hauptsaison, bis im September dann die Nachsaison das Jahr langsam ausklingen lässt. Da die Öffnungstage (also Start und Ende) jedes Jahr ein wenig variieren, schaut am besten direkt auf die Homepage von Astrid Lindgrens Welt – dort habt ihr die Infos immer aktueller, als ich sie hier bieten kann.

Bollerwagen kann man am Eingang mieten. Im Park gibt es vielfältige Möglichkeiten, sich etwas zu essen oder trinken zu kaufen. Wer das Geld dazu ausgeben mag, kann sich ganz ohne viel Ballast auf dem Rücken durch den Park schlemmen. Uns war 1. der Eintrittspreis hoch genug und wie sich im Park herausstellte 2. die Schlangen vor den Restaurants und Buden viiieeel zu lang. Im Park gibt es aber auch Grills, an denen Grillanzünder und Kohle bereit stehen.
Wer mit dem Zug anreist, kann an der eigenen Bahnstation „Astrid Lindgrens Värld“ aussteigen. Der Park ist an fast allen Stellen rollstuhl- und kinderwagengeeignet.

Die Vorstellungen sind alle im Eintrittspreis enthalten. Aber sie finden alle unter freiem Himmel statt, Ausweichmöglichkeiten bei Regen gibt es nicht. Die Schauspieler sind trotzdem irgendwo in der Nähe. Besonders toll finde ich, dass im Sommer an bestimmten Terminen auch Vorstellungen in Gebärdensprache gegeben werden.

Selbstverständlich gibt es auch einige Shops in denen man das Lieblingskuscheltier, die Kleidung der Lieblingshelden oder andere Souveniers kaufen kann. Vieles davon gibt es auch nur dort, in Astrid Lindgrens Welt. 




ich fühle mich schon ganz schön klein in
Nils Karlson Däumlings Zimer!

Samstag, 11. Februar 2017

Winterland

Hej, seid ihr noch da?

Viel, viel Zeit ist vergangen seit ich zuletzt was veröffentlicht habe. In der Vorweihnachtszeit ist bei mir immer "Land unter" - ich habe zu viel zu tun, wie die meisten von euch sicherlich auch. Da fällt das Bloggen erfahrungsgemäß etwas - oder auch ganz - hinten runter.


Das neue Jahr kam, ganz frisch. Und mit dem neuen Jahr kam die Ruhe. Endlich einmal durchatmen. Luft holen, Kraft tanken. Nichts tun. Der geplante Kurztrip wurde kurzerhand wegen Krankheit abgesagt und irgendwie stand alles auf PAUSE. Einmal orientieren. Sacken lassen, was im Jahr vorher alles geschehen war. Die Seele wieder hinterher kommen lassen, bei mir ankommen lassen.

Es ging mir nicht schlecht, im Gegenteil. Ich glaube, durch diese lange Atempause habe ich wieder viel mehr zu mir gefunden, kann vieles gelassener sehen und mit einer gewissen Distanz. Das ist manchmal gar nicht schlecht.


Und so bin ich nun hier angekommen. In der Zwischenzeit hatte unser Computer noch ein Problem und war einige Wochen kaum nutzbar. Mittlerweile ist es schon Mitte Februar und ich versuche mich mal wieder an einem Post.



Dabei bin ich gar nicht sicher, was ich künftig so posten will. Es gibt wenig, was ich so sehr liebe wie das Reisen. Daraus resultiert, dass ich Reiseberichte liebe. Ich liebe es, sie auf anderen Blogs zu lesen. Das gibt mir Inspiration für unsere nächsten Reisen (für dieses Jahr sind schon einige geplant). Ich schreibe die Reiseberichte auch sehr gerne. Das Problem an der Geschichte ist nur, dass es sehr lange dauert, einen solchen Bericht so zu schreiben, wie ich ihn gerne hätte. Und diese Zeit habe ich manchmal nicht. Oder ich mag sie mir nicht nehmen, je nachdem. Es gibt noch genug, über das ich berichten kann, von Orten und Begebenheiten, an denen wir gewesen sind.

Natürlich bin ich auch weiterhin kreativ. Klar kann ich auch davon was zeigen. Ich habe einige fertige Projekte hier, die ich noch nicht gezeigt habe.

Also wird es vermutlich weiterhin eine Kombination aus beidem bleiben.



Die Bilder sind übrigens (zumindest fast) alle auf einer kleinen Winterwanderung neulich entstanden. Wir sind mit den Schlitten unterwegs gewesen und haben ein Picknick gemacht. Mit Punsch, Tee, Glühwein und Keksen. Die waren vielleicht lecker - gefüllt mit einer Haselnusscreme! Wir sind - wie Stammleser wissen - Hardcore-Picknicker und picknicken auch im Winter.

Denn Picknick geht immer, oder?  😊

Vielleicht mögt ihr mir ja auch per Kommentar mitteilen, was ihr lieber lesen mögt? Ich freue mich immer über Kommentare!

Freitag, 11. November 2016

eine Karte zur Hochzeit

Hallo Ihr Lieben!

Nachdem der Sommer auch für uns nun endgültig vorbei ist, bin ich schon am Weihnachtskarten basteln. So lange ist es ja nicht mehr bis dahin...

Doch bevor ich euch von unserer letzten Fernweh-Futter-Reise berichte (sie war unglaublich toll!), und bevor ich euch die ersten weihnachtlichen Ideen zeige, ist heute erst noch mal eine Hochzeitskarte dran.

Eine Hochzeit ist immer schön. Eine Hochzeit in der Familie ist noch schöner! Es war ein wunderschöner Tag, der Hochzeits-Tag und es war eine sehr emotionale Hochzeit. Schnüff... Alles Liebe, ihr zwei!

Die Karte dazu war in zarten Tönen gehalten, die Braut mag es lieber in ruhigeren Tönen, nicht so quietschig.


im linken Herz der Einsatz schimmert eigentlich gold
(hier sieht es eher gelb aus)


auch das weiße Herz, der Zweig und die Borte sind aus
leicht schimmerndem Papier

und überall goldene Punkte


Gefällt sie euch?


Ein tolles Blatt habe ich neulich auf einer kleinen Herbstwanderung mit meinen Kids noch gefunden, das ich euch noch gerne zeigen möchte. Die Natur bringt doch die erstaunlichsten Dinge zustande...


Das Blatt war so gefleckt, das ist nicht bearbeitet. Ich habe es bei unserem Picknick lediglich gegen die Sonne gehalten, die dann durch die noch nicht getrockneten Stellen geleuchtet hat. Irre, oder? Ich habe das Blatt noch hier liegen. Es ist ein bisschen zusammengeschrumpft, ein bisschen mehr getrocknet. Aber es ist noch genauso gefleckt. Und es erinnert mich an einen wunderschönen Tag und unser "Saison-Abschluss-Picknick", dem ich immer etwas wehmütig entgegen sehe. Ein halbes Jahr ohne Picknick - wie schrecklich! Aber manchmal, wenn die Sehnsucht zu groß wird, machen wir entweder ein Winterpicknick mit Nussecken und heißem Tee und Kakao draussen oder aber wir breiten kurzerhand die Picknickdecke im Wohnzimmer aus und essen dort auf dem Boden. Picknick geht schließlich immer, oder?

So, und nun hoffe ich, dass ich es ganz bald schaffe, entweder die noch fehlenden Schweden-Artikel zu schreiben (sie sind nicht mal angefangen...) oder aber von unserer tollen, tollen "wir-verlängern-den-Sommer"-Reise zu berichten! (dort haben wir übrigens auch noch mehrfach gepicknickt, der Saisonabschluss war etwas verfrüht, wie wir später festgestellt haben :-)

Bis bald, eure Nina

Dienstag, 18. Oktober 2016

Ein verlängertes Wochenende am Edersee

Hallo Ihr Lieben!

In der Zwischenzeit geht es mir ein wenig besser, zumindest kann ich immer mal für einige Minuten am PC sitzen. Und so habe ich in den letzten Tagen immer mal wieder an dem folgenden Artikel geschrieben. Denn den wollte ich gerne noch veröffentlichen, bevor unser Fernweh in Kürze das nächste Mal Futter bekommt.

Also, holt euch einen Tee, Kuschelsocken und macht es euch bequem - der Artikel ist etwas länger geworden...


Ein verlängertes Wochenende am Edersee

Der Plan

Ich hatte euch ja schon erzählt, dass wir zwischendurch noch ein verlängertes Wochenende unterwegs waren. Es war das Wochenende, an dem auch der 3. Oktober war – perfekt, um 3 Nächte zu verreisen.

Wir wollten noch einmal mit unseren Freunden campen und hatten eigentlich gehofft, unser Zelt ein letztes Mal für dieses Jahr nutzen zu können. Da aber die Nächte schon empfindlich kalt waren und wir alle kurz vorher stark erkältet einige Tage umgelegen hatten, entschieden wir uns kurzfristig, eine etwas wärmere Unterkunft zu wählen.

Unsere Freunde sind im Besitz eines tollen Wohnwagens mit allen Raffinessen – zumindest an dem Wohnwagen gemessen, mit dem wir früher, als ich Kind war, gereist sind. Die Technik hat eben auch vor den Wohnwagen nicht Halt gemacht...

Wir suchten deshalb nach einem mietbaren Wohnwagen, möglichst im Raum Edersee. Denn der Edersee ist 1. gut von uns aus zu erreichen und 2. ist der Wasserstand dort derzeit historisch niedrig, was wir gerne sehen wollten.

Es ließ sich ganz gut an, doch dann zögerten wir ein paar Tage zu lange mit unserer Miet-Wohnwagen-Buchung. Und schwupps... alle weg. Da standen wir nun, reisewillig aber ohne Dach über dem Kopf. Und eine Pension bzw. Hotel kam nicht in Frage, wäre ja irgendwie blöd gewesen, die Hälfte auf dem Campingplatz und die andere Hälfte im Hotel. Ich erspare euch das stundenlange hin und her am Telefon (an den Telefonen, besser gesagt, denn wir telefonierten teilweise mit Festnetz und mobil parallel).

Um es kurz zu machen: Wir landeten nach einer sehr kurvenreichen Anreise schließlich auf einem Campingplatz am Edersee. Wir hatten einen Miet-Wohnwagen gefunden, der für uns bereit stand. Und unsere Freunde konnten sich mit ihrem Wagen fast direkt daneben stellen. Wunderbar also!

Wir waren etwas schneller dort als unsere Freunde, da wir keinen Wohnwagen an unserem Auto durch die sich krümmende, windende und sehr an die Alpen erinnernde Straße führen mussten. Was wir dann allerdings sahen, verschlug uns vorerst die Sprache.


Der Campingplatz

Wir erwarteten einen Campingplatz. Vielleicht nicht parzelliert, das wäre ganz nett. Vielleicht ein bisschen freestyle beim einparken und campen, ganz schön. Aber was wir fanden war: ein Bauernhof. Ja, wir fanden einen Bauernhof. Auf dem Hof als erstes ein Misthaufen, pittoresk zu einem spitzen Turm aufgehäuft. Drumherum eine Menge Tiere: Ziegen, vier Esel, einige Pferde mit einer einzigen Kuh, die sich wohl ebenfalls für ein Pferd hielt. Außerdem eine Menge Hühner, die freilaufend das Geschehen kontrollierten. Mit dabei ein Hahn, der es sich – wie es sich für einen Hahn, der was auf sich hält, gehört – nicht nehmen ließ, morgens gegen 5 Uhr den Tag mit lautem Geschrei zu begrüßen. 

Der Empfangsbereich des Campingplatzes, direkt dahinter ist
die Rezeption. Einladend, oder?

Der Campingplatz. In der Mitte der aufgetürmte Misthaufen

Malerische Sammlung alter Lampen am Esel-Stall

Außerdem malerisch in das Bild integriert ein ganzer Haufen alter, rostiger Traktoren und anderes landwirtschaftliches Gefährt. Und mittendrin einige Wohnwagen, weiter unten auch die Dauercamper, die auf keinem ordentlichen Campingplatz fehlen dürfen. Mit Lichterketten rund um den Wohnwagen, die das ganze idyllisch ausleuchten und Zäunchen, hinter denen die Gartenzwerge über das Eigenheim im Grünen wachen.

Der Besitzer des Campingplatzes war nur kurz für ein Gespräch greifbar, das durch eine geschlossene Tür stattfand. Unser Schlüssel sei dort im Schuh (ein großer Holzschuh am Boden) und wir sollen den Zettel im Wagen ausfüllen und ihm einwerfen. Das war das einzige, was wir von ihm je hörten und erfahren konnten. Unser gemieteter Wohnwagen entpuppte sich als die Gartenhütte, um die die Hühner herumliefen. Meine Mutter könnte schwören, dass es sich dabei um die Wiedergeburt der Gartenhütte ihres Großvaters handelt... Wir schüttelten ungläubig die Köpfe und ich schrieb eine Nachricht an unsere Freunde: „das ist unfassbar hier – das glaubt ihr erst, wenn ihr es seht“. Die kamen dann kurze Zeit später an und standen genauso da, wie wir kurz zuvor.

Unsere Gartenhütte. Die Hühner sind gerade anderweitig beschäftigt
und deshalb nicht zu sehen.


Und? Sagt euch das Eulen-Design auch so zu?

Freestyle beim einparken hatten sie dann immerhin, und wirklich ganz in der Nähe unserer romantischen Hütte. Wir bauten noch deren Vorzelt auf, das in den nächsten Tage Dreh- und Angelpunkt unseres Trips werden sollte. Die 5 Kinder fanden es wirklich super. Viele Tiere, Platz ohne Ende, sogar der Spielplatz in Sichtweite. Und zwischen unseren Wagen konnte man Frisbee spielen, ohne das man jemandem im Weg war.

Dieser Traktor befindet sich direkt neben unserer Hütte.
Unserer Kids lieben es! Der Zündschlüssel steckt übrigens noch...
Die Telefonzellen im Hintergrund sind übrigens Spiele- und Bücherschränke



Unsere Aktivitäten und ein neues Hobby

Am nächsten Tag sahen wir uns das „tolle Haus“ an, ein Haus, in dem alles verkehrt herum ist. Wir liefen quasi an der Decke entlang und sahen alles über uns. Sofa, gedeckter Frühstückstisch, Badezimmer, Bett – alles genau falsch herum, den Gesetzen der Schwerkraft trotzend. Unser Fazit: ganz witzig, aber nach einer Viertelstunde waren wir wieder draussen - und dass, obwohl wir uns Zeit gelassen haben. Eine weite Anreise nur dafür lohnt sich definitiv nicht.

das "tolle Haus"
in der Spiegelung seht ihr, wie es richtig aussehen würde. Und erst da
ist mir aufgefallen, dass die Haustür ja im Dach hängt...

Kind an der Decke?
Ja, wenn man das Bild hinterher bearbeitet und dreht...


Vorab hatten wir ein Restaurant direkt nebenan geentert. Wenn man mit 9 Personen ein Restaurant betritt, ist das schon ein Highlight. Das kennen wir von einer Reise mit anderen Freunden nach Österreich. Doch die panischen Blicke, die uns in Österreich stets begrüßten, blieben hier völlig aus. Ich könnte jetzt davon schwärmen, wie locker wir Hessen sind und dass auch eine Bande mit 5 Kindern das hessische Volk völlig unbeeindruckt lässt. Jedoch sei fairerweise dazu erwähnt, dass wir zu diesem Zeitpunkt die einzigen Gäste dort waren. Was jedoch nicht bedeutet, dass wir Hessen nicht trotzdem total relaxt sind! Wir hatten viel Spaß mit der Bedienung, die alles mit fröhlichem Lachen und vielen Späßen entgegen nahm und tatsächlich bei dem riesigen Durcheinander nur eine einzige Pommes-Portion vergessen hat. Hut ab!

so sahen wir es tatsächlich...

... und so sieht es umgekehrt aus!

Den Rest des Tages verbrachten wir mit einem neuen Lieblingshobby von uns: dem Krankenhaus-Testen. Ja, wir haben es uns in den letzten Jahren nach und nach zur Aufgabe gemacht, Krankenhäuser oder auch Arztpraxen an für uns fremden Orten und in fremden Ländern zu testen. Sind die Standards wir bei uns? Wo sind die Unterschiede? Damit es für uns interessant bleibt, überlegen wir uns auch immer eine andere Person und eine andere Krankheit. Diesmal war unsere Kleine dran und sie wählte eine Mittelohrentzündung. Sie hatte das zu Hause schon mal wage angedeutet, dennoch waren wir ein wenig überrascht. Wir wählten spontan den ärztlichen Notdienst im Krankenhaus Korbach. Unser Fazit: Spitze. Kann man weiter empfehlen! Nettes Personal, kaum Wartezeit, schnelle Diagnose. Apotheke wurde auch gleich mit Wegbeschreibung ermittelt und an uns weitergegeben. Danke, Test mit Bravour bestanden!


Das Edersee-Atlantis

Der darauf folgende Tag war ein Sonntag, und wie wir es uns von einem Sonntag wünschen, schien die Sonne. Vom Campingplatz aus war es nicht weit bis zur Brücke Asel. Diese Brücke liegt normalerweise einige Meter unter Wasser und ist nicht sichtbar. Wir konnten jedoch aufgrund des extrem niedrigen, besser gesagt nicht vorhandenen, Wasserstandes sogar unter der Brücke durch laufen. Sehr verrückt! Ein bisschen Wasser fließt quasi pseudo-mäßig noch unter der Brücke durch, damit die Brücke wenigstens noch irgendeinen Sinn hat. Und dann laufen da unterhalb des Wasserspiegels haufenweise Menschen über eine Brücke, die einfach im Nichts auf dem See-Grund steht.

Die Brücke Asel im grünen See. Eigentlich sieht man gar nichts davon.

Die Warnboje ist derzeit nicht nötig und liegt ebenfalls auf dem Trockenen

Das Wasser ist so niedrig, dass wir unter der Brücke durch können!




Die Kinder unter der Brücke sind übrigens meine.
Sie kamen glücklich aber total verschlammt zurück :-)


Die Boote liegen im Gras, sind aber sicherheitshalber noch befestigt, damit sie nicht zu weit raus treiben. Wanderwege führen durch das Sumpfgras, über den Grund des Sees hinweg. Am Ufer erkennt man, wie hoch das Wasser dort eigentlich steht. Im Frühling, wenn der Winter mit Schnee- und Wasserfällen wieder für Nachschub gesorgt hat, wird von alldem nichts mehr zu sehen sein. Weiter im Edersee entlang gibt es alte Gräber, alte Mauerreste etc. zu sehen, das „Edersee-Atlantis“.

ein Boot im Gras


Die Edertalsperre wurde zwischen 1908 und 1914 gebaut, um einem 1904 erlassenen „Wasser- straßengesetz“ Rechnung zu tragen. Der Edersee ist mit 11.8 km² der (flächenmäßig) drittgrößte Stausee Deutschlands. Etwa 900 Menschen mussten ihre Häuser verlassen, ihr Zuhause aufgeben, damit der See geflutet werden konnte. Teilweise wurden die Häuser abgetragen und weiter oben wieder aufgebaut. Teilweise blieben sie aber auch stehen, was man heute noch als Ruinen sehen kann. Dazu gehört auch die immer noch total stabile Aseler Brücke. Sie wurde erst wenige Jahre vor der Flutung gebaut. Trotzdem ist sie nun schon ziemlich alt und steht heute sogar unter Denkmalschutz. Wir haben uns in den bunten Strom Schaulustiger eingereiht und sind auch über die Brücke spaziert. Von dort sind wir noch ein ganzes Stück durch das See-Bett gelaufen, immer wieder vorbei an Booten, die auf Wasser warteten. In einige Wochen könnte das schon wieder vorhanden sein.

wir konnten es natürlich nicht sein lassen...

der Blick von der Brücke Asel ins (fast) trockene See-Bett

da, wo unser Kind sitzt, würde sie normalerweise
zumindest nasse Füße bekommen...


An unserem Abreisetag haben wir noch einen kleinen Umweg an der Sperrmauer vorbei gemacht. Eigentlich wurde die Edertalsperre errichtet, um dem Mittellandkanal genug Wasser zuführen zu können. Jedoch produziert die Wasserkraft nun auch Strom. Am Fuße der Sperrmauer steht das Kraftwerk Hemfurth, außerdem nutzt das Pumpspeicherkraftwerk Waldeck und das Laufwasserkraftwerk Affoldern das aufgestaute Wasser zur Stromerzeugung.

Die Edertalsperre
seht ihr hinten am Ende den Anlegesteg für die Fähre? Im Moment
muss gut zu Fuß sein, wer zur Fähre runter oder hoch
will. Durch das Niedrigwasser ist es extrem steil.

Die Wasserstandsanzeige

Die Edertalsperre



Der Edersee ist heute eine große Freizeitmaschinerie. Von Ausflugsschiffen über Souvenirläden, Sommerrodelbahn, Maislabyrinth, Kletterpark, Baumkronenpfad bis zu vielen Wanderwegen im Nationalpark Kellerwald-Edersee wird der Tourist bedient, bis keine Wünsche mehr offen sind. Und das meine ich durchaus nicht negativ! Doch das Ganze in Hessen, meinem Heimat-Bundesland, das irgendwie in keinem Reisebericht auf den einschlägigen Reiseblogs erwähnt wird – das beeindruckt mich schon etwas. Hessen ist sehenswert, ihr Lieben da draußen! Kommt und schaut es euch an!!

Wir hatten jedenfalls wunderbare Tage zusammen. Haben abends zusammengesessen bis wir alle (Kinder wie Erwachsene) todmüde ins Bett gefallen sind. Haben gespielt bis die Karten glühten. Haben geschlemmt, dass es eine Freude war. Haben gequatscht bis zum umfallen. Und haben vor allem gelacht, das uns die Tränen gelaufen sind. Es war wundervoll! Schön, solche Freunde zu haben. Danke an euch, ihr Lieben!! Und wir freuen uns schon auf das diesjährige Adventswochenende mit euch, wie jedes Jahr!

Seid ihr auch schon mal am Edersee gewesen? Mit Wasser oder ohne? Und was habt ihr dort erlebt?

In diesem Sinne: bleibt reisend!!!

Eure Nina

Donnerstag, 13. Oktober 2016

Manchmal kommt es unerwartet...

Hallo ihr Lieben!


Lange ist es hier wieder still gewesen. Dabei habe ich eigentlich so viel zu erzählen! Wir waren in der Zwischenzeit noch einmal das Fernweh füttern, für ein langes Wochenende. Und die Berichte von Schweden stehen auch noch aus. 

Doch manchmal kommt es anders, als man es geplant hat. Ich kann im Moment immer nur für wenige Minuten am Computer sitzen. Eine Brustwirbel-Blockade legt mich lahm. Laufen geht ganz gut, liegen auch. Aber das sitzen... Nein die ungesunde Haltung am PC ist Folter für meine Wirbelsäule. Und deshalb ist es hier auch so ruhig. Ich hoffe sehr, dass es bald besser wird!

Ich habe in Kürze auch noch einmal Urlaub und wir werden erneut eine Reise antreten. Ich freue mich riesig und hoffe, wir reisen dem Sommer noch ein bisschen hinterher. Mehr dazu hoffentlich ganz bald!

Für heute muss es genug sein. Ein Bild von unserem Kurztripp lasse ich euch noch da:



Ist das nicht schön? So eine Sammlung alter Gas-Lampen hat doch was... Die Unterkunft war sowieso total schräg, skurril, abgedreht, und im wahrsten Sinne kauzig. Unfassbar, was man alles erlebt...

Ich hoffe, ich kann bald mehr davon berichten - Ideen habe ich viele. Nur leider kein Laptop, den ich auch im liegen bedienen könnte :-(



Trotzdem: bleibt reisend!!


Bis bald, eure Nina

Donnerstag, 22. September 2016

Västervik

Hallo Ihr Lieben!

Mal wieder gab es eine längere Pause - hier ist viel los, das reale Leben war und ist im Umbruch und so dauert es seine Zeit, bis wieder alles rund läuft. Davon sind wir noch immer weit entfernt, aber trotzdem habe ich jetzt mal die Zeit gefunden, meine längst angefangenen Zeilen über Västervik zu beenden und die Fotos zu bearbeiten. 

Västervik - der Hafen


Västervik – die „Perle der Ostsee“

Västervik ist eine sehr hübsche Stadt am Meer. Sie präsentiert sich uns auch wirklich nur von ihrer allerschönsten Seite. Die Sonne scheint warm, der Himmel ist blau, das Wasser auch. Im kleinen Hafen schaukeln die Fischerboote sanft in den Wellen. Auf dem schmalen Streifen zwischen Häusern und Hafen legen sich die Menschen zum Sonnen ins Gras.

Västervik ist „Schärenstadt“. Etwa 5000 Inselchen und Felsen zählen zu Västerviks Schärenlandschaft. Mit einem Boot kann man sich durch die wunderschöne Insellandschaft fahren lassen.

Mit 21.000 Einwohner ist Västervik gut überschaubar und auch nicht überlaufen – trotz der vielen Tagesgäste. Auf dem Platz am Hafen sind Verkaufsstände aufgebaut, es gibt allerhand Dinge zu kaufen. Bei unserem Bummel werden wir von Musik begleitet, auf der Bühne singt ein Shanty-Chor. Damit ist das maritime Feeling perfekt. Es ist Balsam für die Seele!

Das Kind genießt ein bisschen Hafen-Flair

ein Teil von Västerviks Hafen



Unos Turm

Unser nächstes Ziel soll Unos Turm sein. Dieser Turm wurde 1997 mit der großzügigen Spende eines Zahnarztes (der mit Vornamen Uno heißt) errichtet und bietet auf 18 Meter Höhe einen guten Blick auf die Schärenstadt. Und natürlich auch auf einen Teil der Schären selbst.

Der Weg führt uns an der Schlossruine Stegeholm vorbei. Dort gibt es im Sommer auch Konzerte, sogar ein Musik-Festival. Als wir dort sind, ist die Ruine leider abgesperrt, es gibt verschiedene Umbaumaßnahmen. Deshalb gehen wir weiter, Unos Turm ist ja schon weithin sichtbar.

Unos Turm

Auf ihn hinauf zu kommen gestaltet sich zunächst etwas schwierig. Denn den Eintritt muss man im Västervik Museum zahlen. Das liegt zwar neben dran, trotzdem ist es nicht ganz so einfach, dem Mitarbeiter klar zu machen, dass wir nur auf den Turm möchten und nicht auch noch in das Museum, dass die Stadtgeschichte Västerviks zeigt. Wir lieben Museen, keine Frage. Aber an einem Tag wie diesem, an dem die Sonne so wunderschön scheint und alles nach „draußen sein“ schreit, lockt uns das Museum nicht. Sorry, liebes Museum – doch der Turm winkt uns schon zu.

Schließlich haben wir aber den Eintritt nur für Unos Turm bezahlt und gehen zurück zum Turm. Dort müssen wir dann klingeln (am Turm), damit uns der Mitarbeiter des Museums fragt, was wir wollen. Wir wiederum müssen dann erklären, dass wir ja die Familie sind, die gerade den Eintritt für den Turm gezahlt hat und dann – Simsalabim! - geht die Türe auf. So kompliziert kann es sein, wenn man mal eben auf einen Aussichtsturm steigen will...


Blick auf die Schären

Wir stapfen die Stufen hinauf, besonders viele sind es nicht, 18 Meter ist ja nicht soooooo riesig hoch. Mir geben die 98 Stufen trotzdem den Rest. Ich bin schon mit Kopfschmerzen aufgewacht und durch die Stufen-Lauferei bei 30°C habe ich nun das Gefühl, mein Kopf müsste gleich zerspringen.

Schön finde ich es trotzdem dort oben! Der Blick ist wirklich toll, das Meer liegt uns glitzernd zu Füßen, die Stadt strahlt uns an und die Schären liegen idyllisch umrahmt von Segelbooten im Wasser. Wir nehmen uns Zeit für einen Rundumblick. Packen sogar die Getränkeflaschen aus dort oben und stärken uns mit einem Schluck kühlem Wasser. Ich sehne mich jedoch nach einem anderen Getränk, ich hätte gerne etwas pechschwarzes mit Koffein drin. Das hilft mir gegen Kopfschmerzen, meistens jedenfalls. Doch so etwas befindet sich leider nicht in unserem Rucksack. Die Kinder beobachten die Boote. „Ich würde so gerne auch Boot fahren“, seufzen sie. War ja klar, dass dieser Satz nicht lange auf sich warten lässt...


die Schären

Irgendwann verabschieden wir uns von dem schönen Blick auf die Schärenlandschaft und steigen wieder hinunter. Auf dem Weg zurück zum Hafen kommen wir wieder an dem hübschen Warmbadehaus auf Strömsholmen vorbei. Das 1910 nach alten Zeichnungen im Jugendstil errichtete Gebäude wurde bis 1975 als Schwimmbad genutzt. Dann gab es ein neues, moderneres Schwimmbad und aus dem alten Warmbadehaus wurde das Touristenbüro, dass sich auch immer noch im Erdgeschoss befindet.

das Warmbadehaus


Durch die Schären

Mich interessiert das Touristenbüro zu diesem Zeitpunkt in keinster Weise – ich brauche einfach nur eine Bank, etwas zu essen und vor allem eine Kopfschmerztablette und eine Cola. Mehr nicht. Die Kinder brauchen dringend das Boot. Jetzt sofort, ganz unbedingt. Wir essen unser mitgebrachtes Picknick, mein Goldschatz von einem Mann organisiert eine Cola für mich und außerdem eine Bootsfahrt für die Kinder. Tag gerettet!

Und während die drei mit einem ganz alten, sympathischen Kahn durch die Schärenlandschaft davon tuckern, bleibe ich auf der Parkbank sitzen. Ein bisschen verloren, ein bisschen wie ein alter Penner, der ein wenig viel Rotwein hatte. Denn halb sitzend, halb liegend lümmele ich mich auf die Parkbank mit dem Rucksack als Kissen unterm Kopf. Tablette runter, Cola hinterher, Augen zu. Eine Bootsfahrt in meinem momentanen Zustand hätte keinen der Fahrgäste erfreut, da bin ich sicher. Denn mein Mageninhalt rumorte schon beim Gedanken an das schwankende Boot.

St. Petri und St. Gertruds Kirche vom Wasser aus

auf dem alten Kahn in die Schärenlandschaft

der alte Kahn


Meiner Familie gefällt die Bootstour durch die Schären sehr gut. Gemütlich tuckern sie über das Wasser und sehen die Stadt von dort aus an.


Nach einer Stunde sind sie wieder da. Und ich auch! Die Ruhe (und die Tablette) hat meine Kopfschmerzen verschwinden lassen. Puhh!! Jetzt kann es weitergehen.


Bummel durch die Straßen

Ein bisschen was wollen wir ja noch von der Stadt sehen, wenn wir schon mal dort sind. Besonders gefallen hat mir die St. Gertruds Kirche. Die Malerei an der Decke im linken Querhaus beeindruckt mich sehr. Diese Art von Malerei nennt man „Grisaille-Malerei“, eine Malerei, die ausschließlich in schwarz, weiß und grau gehalten ist und vorwiegend in der mittelalterlichen Tafelmalerei verwendet wurde. Eine solchen Deckenbemalung habe ich bislang noch nirgendwo gesehen und bin immer noch sehr fasziniert davon.

Grisaille-Malerei - habt ihr so etwas schon gesehen?



Wir sehen auch noch die St. Petri Kirche an, die durch ihre warmherzige Gestaltung zum Verweilen einlädt. Für Kinder gibt es eine riesige Spielecke, für Erwachsene gemütliche Sitzgruppen und mit Blumen geschmückte Tische. In der Kinderecke können sich die Kinder Perlenarmbänder fädeln. Wir bleiben lange in dieser sehr einladenden Kirche und fühlen uns total willkommen. Natürlich nutzen die Kinder auch die Möglichkeit des Armband-Fädelns und tragen sie den Rest vom Urlaub sehr stolz. Eine tolle Art, dass die Menschen sich in einer Kirche willkommen fühlen!

Schweden kann nicht nur rot! Auch bunte (Holz-)Häuser gibt es allerorten

die schönen alte Holzhäuser

Stora Torget mit dem Rathaus (Mitte). Ein wirklich hübscher Platz!

Ansonsten lassen wir uns durch die Gassen mit den wunderschönen Holzhäusern treiben. Västervik ist eine Stadt zum Wohlfühlen, eine Stadt, in der man tolle Stunden verbringen kann. Eine Stadt, die nicht umsonst den Beinamen „Perle der Ostsee“ trägt.

Und wäre sie nicht so weit von unserer Basisstation weg gewesen, wären wir ganz sicher öfter an der Hafenpromenade entlang gebummelt. 

In diesem Sinne: bleibt reisend!!

Bis bald, eure Nina